BGH: Wärmedämmung darf auf das Nachbargrundstück ragen

Jinny Verdonck

22. November 2021

Nachbarn müssen im Zeichen des Klimaschutzes dulden, wenn eine nachträglich angebrachte Wärmedämmung ein wenig auf ihr Grundstück überragt. Zu diesem Urteil kommt der Bundesgerichtshof.

Darum ging es in dem Fall

In Nordrhein-Westfalen stritten Nachbarn darüber, ob eine Wärmedämmung zulässig ist. Auf den beiden Grundstücken stehen Mehrfamilienhäuser, wovon eines direkt an der Grundstücksgrenze liegt. Der Eigentümer dieses Grundstücks plant die Anbringung einer Außendämmung an dem Gebäude. Allerdings würde diese über die Grundstücksgrenze hinausragen. Es sei nicht möglich, eine Innendämmung mit vertretbarem Aufwand auszuführen.

Duldungspflicht des Nachbarn

Gemäß § 23a NachbG NW müssen es Grundstückseigentümer dulden, wenn an einem bestehenden Gebäude auf dem Grundstück des Nachbarn eine Wärmedämmung nachträglich angebracht wird, die ein wenig über die Grundstücksgrenze ragt. Allerdings muss zum einen gegeben sein, dass keine ähnliche Wärmedämmung mit vertretbarem Aufwand durchgeführt werden kann und zum anderen darf der Überbau zu keiner bzw. nur zu einer unwesentlichen Beeinträchtigung der Grundstücksnutzung führen. 

Das BGH-Urteil

Aus § 23a NachbG NW ergibt sich eine Duldungspflicht des Nachbarn, denn im vorliegenden Fall werden die Voraussetzungen dieser Vorschrift erfüllt. Anders sieht es jedoch beim Neubau aus, denn bei Neubauten ist es erforderlich, dass die Wärmedämmung innerhalb der eigenen Grundstücksgrenzen liegt.


BGH, Urteil v. 12.11.2021, V ZR 115/20